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Viele Transporte, wenig Fahrzeuge.

Patienten warten bis zu acht Stunden – Kreisverwaltung will nachbessern

Der Fall von Dieter Neupert liegt bereits länger zurück, aber zeigt vor allem eines: Oft übersteigen die Einsätze der Krankentransporte die Fahrzeugkapazität in der Region. Das führt teils zu enormen Wartezeiten. Wie in Neuperts Fall, der über acht Stunden auf seinen Transport vom Krankenhaus in die Seniorenresidenz „Pro Seniore“ wartete.

Der 80-Jährige leidet an Multipler Sklerose und ist rechtsseitig gelähmt. Vergangenen Dezember musste er aufgrund einer Entzündung im Körper einige Tage im Pirmasenser Krankenhaus verbringen. Am Tag seiner Entlassung wurde gegen 11.30 Uhr der Rücktransport ins „Pro Seniore“ veranlasst. „Ich wurde informiert, dass es 15 Uhr wird.

Um 16 Uhr habe ich dann das erste Mal reklamiert“, erzählt Neupert der Pirmasenser Zeitung. Am Ende sei es dann 19.30 Uhr gewesen, als er ins Seniorenheim zurückgebracht wurde. „Das war schon happig. Wenn ich gewusst hätte, dass es so lange dauert, hätte ich ein Taxi genommen“, sagt der Senior.

Matthias Bruhne, Leiter der integrierten Leitstelle in Landau, bestätigt den Fall auf Anfrage der PZ. „Wir bedauern, dass es in Spitzenzeiten zu so langen Wartezeiten kommt, aber es ist nicht immer zu vermeiden“, erklärt er. Rund 300 Einsätze, davon 291 Transporte , habe es an diesem Tag im Zuständigkeitsgebiet der Leitstelle gegeben. Es umfasst neben den Städten Pirmasens, Zweibrücken und Landau auch die Landkreise Germersheim, Südliche Weinstraße und Südwestpfalz. Im Rettungsdienstbereich Südpfalz fanden im Jahr 2017 durchschnittlich 266 Einsatzfahrten pro Tag statt. „In Pirmasens allein waren es an dem Tag 59 Einsätze zwischen 7 und 19 Uhr“, berichtet Bruhne. Im Schnitt seien es etwa acht Transporte täglich, betont er die Ausnahmesituation an dem Tag.

In der Stadt teilen sich die Hilfsorganisationen ASB und DRK die Fahrzeuge und die Dienste für die Transport- und Rettungsfahrten. Pro Organisation stehen zwei Krankentransportwagen, ein Rettungswagen und ein Notarzt-Einsatzfahrzeug zur Verfügung. In Stoßzeiten würden Fahrzeuge von außerhalb (siehe Hintergrund-Kasten) eingebunden.

Um möglichst wenig Leerfahrten zu haben, würden die Pläne dementsprechend koordiniert. „Das gelingt uns oft, an diesem Tag ist es uns nicht gelungen“, gesteht Bruhne ein. Für Dieter Neupert musste sogar ein Rettungswagen statt ein Krankentransportfahrzeug herhalten.
Dass es mehr Einsätze gibt, als Fahrzeuge zur Verfügung stehen, komme öfter vor, sagt der Leiter. Die Leitstelle könne aber nicht wie ein Wirtschaftsunternehmer einfach mehr Leute einstellen und Fahrzeuge anschaffen. „Da muss die zuständige Behörde anhand von Zahlen nachsteuern. Wir können es nicht selbst und sind an Vorgaben gebunden.

Es würde sich aber sicher lohnen, die Einsatzzahlen einer genauen Überprüfung zu unterziehen“, schätzt Bruhne.
Die zuständige Rettungsdienstbehörde ist die Kreisverwaltung Südwestpfalz. Dort sei sich dem Thema angenommen worden, sagt Sprecher Thorsten Höh auf Anfrage der PZ: „Derzeit ist die Tendenz so, dass die Einsatzzahlen verbunden mit längeren Einsatzzeiten stetig steigen. Insoweit ist eine Überprüfung, ob und inwieweit die Vorhaltung der Einsatzmittel anzupassen sind, wohl geboten.“ Zuletzt sei die Zahl der Wagen an die Einsatzzahlen 2014 angepasst worden.

Der Landkreis habe bereits Gespräche mit den Verantwortlichen aufgenommen, um die Lage zu sondieren und notwendige Verbesserungen herbeizuführen. So seien zum Beispiel in den letzten Jahren die Standorte der Rettungswache von Wallhalben nach Weselberg und die Rettungswache von Dahn nach Bundenthal verlegt worden, um die gesetzlich geforderten Einsatzzeiten zu optimieren, erklärt Höh.

Quelle: Pirmasenser Zeitung

11. April 2018 09:54 Uhr. Alter: 2 Jahre